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„My polish Heart“- Konzert auf Kampnagel mit Vladyslav Sendecki

Gespeichert von maru am 28. November 2009 - 20:00
26. November 2009 - 19:00

 
Das Konzert fand am 26.11.2009 auf Kampnagel, Hamburg statt und begeisterte über 800 Besucher.  Das Konzert  wurde in drei Teilen konzipiert und aufgeführt:

1. Duo Vladyslav Sendecki und Nils Langren

Stille, absolute Stille. Die ersten Klänge des Flügels packen das Publikum sofort, fesseln es und halten es in Atem. Ein virtuoser Beginn.

Bei dem bekanntesten polnischen Weihnachtslied „Lulajze Jezuniu“ (Lulle Jesu ein) sind alle wie verzaubert. Die Posaune, sparsam, ohne Vibrato, klingt wehmütig und anrührend.

Bei dem Song „The blackbird“ von The Beatles die Überraschung. Der Posaunist Nils Langren brilliert nicht nur mit seiner Posaune, sondern begeistert an der Seite des Ausnahmepianisten Vladyslav Sendecki mit seiner einmaligen und magischen Stimme. Beide Künstler schafften es immer wieder, dass das Publikum in der Musik vollkommen aufgeht, mit der Musik regelrecht verschmilzt und ein Teil von ihr wird. Die Spannung steigt und steigt ins Unermessliche bis auf ihrem Höhepunkt grenzenloser Beifall die Erlösung bringt.
 

2. Klavierkonzert „My Polish Heart“ komponiert von  Wolf Kerschek mit Vladyslav Sendecki und NDR Bigband

Für Wolf Kerschek war es ein eigentümliches Gefühl, zum ersten Mal Polen zu bereisen: „Meine Großmutter war polnische Übersetzerin, mein Vater ist in Pommern geboren. Ich spreche die Sprache nicht, und doch fühle ich mich dem Land sehr verbunden“. Dieses Gefühl ist alles andere als selbstverständlich. Doch die Begegnung mit der polnischen Folklore setzte eine besondere Assoziationskette  in Gang: „Vladyslav Sendecki ist mein Lieblingspianist und ich entdeckte gewisse musikalische Parallelen.  Also schrieb ich ein Klavierkonzert für ihn und die NDR Bigband.

Gemeinsam haben wir es „My Polish Heart“ genannt. Der Komponist Kerschek, der die NDR Bigband schon lange und auch als Dirigent gut kennt, ergänzt: „Da gibt es konzeptuelle, thematische Improvisationen. Die Solisten spielen nicht, wie beim normalen Jazzstandard über die Harmoniefolgen eines Themas, sondern hier gehen Improvisationen in die komponierten Teile über, folkloristische Elemente - also das „Polish Heart“ - tauchen eher als Assoziationen auf. Da ist keine musikwissenschaftlich nachweisbare Verbindung“, bedauert Wolf Kerschek, „aber harmonisch ist es dichter an Chopin dran als an Thad Jones“.

Eine Nähe, die Vladyslav Sendecki  gut gefällt. Der romantische Grundgedanke, im Hörer Emotionen entstehen zu lassen, zieht sich doch wie ein roter Faden durch sein Leben als Musiker: „Ich empfinde die heutige Welt oft als zu kalt und gefühllos. Ich möchte, dass die Menschen ein wenig sensibilisiert werden durch mein Spielen“.

 

3. „Anima Mundi“ komponiert von Vladyslav Sendecki

Auch als Komponist hat Sendecki Neuland betreten: im Jahr 2002 schrieb er die 10- teilige Bigband-Suite „Anima Mundi“- eine Klangreise von Afrika über Indien und Japan bis nach Europa- ein virtuelles Treffen der Musikkulturen, das einmalig ist in der Welt des Jazz. Fünfzehn Jahre lang hatte Sendecki  dafür Klänge und Gesänge aus aller Welt in seinem Computer gesammelt. Als „Samples“ bekamen sie in der Partitur ihre eigenen Stimmen und wurden der Band per Tastendruck punktgenau zugespielt. „Ich setzte damit einen Traum um: eine konfliktlose Welt, in derer Zentrum der dialogfähige, tolerante Mensch steht, der sich über Schlagbäume und geistige Grenzen hinwegsetzt“.

Ein universelles Geschöpf also - wie Sendecki selbst.  In einer Zeit, in der der Computer den Alltag zu bestimmen scheint, in der das Leben in messbare Einheiten unterteilt wird, geht er nicht einen Schritt zurück. Moderne Technik und sozialpolitische Aussagen sind für ihn keine Gegensätze: „Ich lasse die „Maschine“ gute Dinge für mich tun, setzte den Computer für die Kunst ein und zeige, dass dies durchaus möglich ist“. Sendecki haucht den Samples und Synthesizer eine Seele ein. Das gilt auch für das akustische Spiel auf den 88 Tasten. Hier gerät die am Musikkonservatorium geschulte Technik niemals zum Selbstzweck.

Mit einer Zugabe und großem Applaus wurde das unvergessliche Konzert beendet. Bravo!

Über die Stiftung „My Polish Heart“ wird demnächst informiert.

 
„DEUTSCH-POLNISCHE BEGEGNUNGEN - MY POLISH HEART“ (von A. Kulaszewski):

Das Projekt wurde durch die Mitgliedsorganisation des Bundesverbandes Polnischer Rat in Deutschland e.V., den Bundesverband Polnisches Forum in Deutschland e.V., realisiert. Die Produktion in Hamburg hat der Sekretär  des Polnischen Forums, Herr Arkadiusz B. Kulaszewski übernommen, der auch dem Publikum die kurze Geschichte der polnischen Vereine und den Zweck dieser Veranstaltung näher gebracht hat.

Das Projekt „My Polish Heart” bezweckte die Unterstützung der kulturellen Vorstellung der in Deutschland lebenden besten Künstlern aus Polen dem breiten deutsch-polnischen Publikum aus Norddeutschland.
Durch das Projekt, das auf künstlerisch höchstem Niveau in Zusammenarbeit mit der NDR-Jazzredaktion realisiert wurde, wollte man eine möglichst große Besucherzahl erreichen um mehr Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für die Arbeit der Polonia-Vereine vermitteln.

Diese „Begegnungen” sollen vor allem jungen Menschen die Kultur unserer beiden Völker näher bringen und zur Beseitigung beiderseitigen Stereotypen und Vorurteilen beitragen, dem Publikum eine Möglichkeit zur Meinungsaustausch geben und dadurch einen Beitrag zur besseren Integration zwischen Deutschen und Polen leisten.

 

Lese noch "Beware My Polish Heart" auf ndr.de

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