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Bogdan Hołownia in Laeiszhalle Hamburgu - "Über den Meister Jerzy Wasowski"

Gespeichert von maru am 29. November 2009 - 20:00
18. November 2009 - 14:00
Starsi panowie dwaj

 

maru: Erst möchte ich ein großes Lob aussprechen, dass Sie so schöne Lieder des „Starszych Panow“ („Betagte Männer“) Cabarets bearbeitet und veröffentlicht haben! Diese Lieder sind lyrisch und jazzig zugleich. Sie sind in der Form eines Notenbandes unter dem Titel: „Starsi Panowie dwaj”- piosenki Jerzego Wasowskiego i Jaremiego Przybory w opracowaniu Bogdana Hołowni” erschienen.  Es gibt so wenig Lieder, die einen ambitionierten, oft scherzhaften Text  mit einer großaritgen Musik verbinden. War das die Grundinspiration für die Bearbeitung dieser Lieder?

 

Bogdan Hołownia: Das ist eine schwierige Frage…Wie alle von uns, haben auch mich die Lieder des Cabarets fasziniert. Damals hat man gelauscht und auf die Ausstrahlung der Sendung gewartet. Man saß vor dem Fernseher und hat jede Note und Szene „eingesaugt“. Die Projektion war  nicht aus dieser Welt, sondern aus einer, die das Cabaret kreiert hat. Das war eine freie Welt und wir haben in einer freien Welt mit kleinem „f“ gelebt.  „Starsi Panowie“ waren  für uns Meister  und Lehrer zugleich: wie man lebt, denkt, liebt und woran man glaubt. Das faszinierende war, als ich mich später ans Klavier setzte und bemühte, die Melodien nachzuspielen, ist es mir einfach nicht gelungen.  Ich fing an nachzudenken, warum? Das hat dazu geführt, dass ich mich in die Materie des „Handwerks“ von Meister Jerzy Wasowski vertiefen musste.  Das Ganze ist wie eine Uhr. Außen sieht man nur die Uhrzeit, die uns gefällt und die man versteht, aber drin gibt es so eine feine und komplizierte Mechanik, die nur von einem großen Meister gefertigt sein konnte. Ich denke, daß Herr Wasowski als einer von den großen Adlern, die in den Musikreich fliegen, ein Nest auf einer himmelhohen Erhebung erreichen kann. Ich meine, wir können viel machen, aber einer Sache bin ich mir nicht sicher. Ich bin nicht sicher, ob wir die Stimmung richtig wiedergeben. Die Zeiten, in der die „Starsi Panowie“ lebten,  waren  sehr spezifisch und ein wenig hermetisch. Man kann das heute kaum für die Menschen aus Westeuropa „übersetzten“. Na ja, man sollte sich das nicht zu Herzen nehmen, aber daran glauben, dass es gelingt. 

maru: Welche Lieder liegen Ihnen am nächsten?

Bogdan Hołownia:  Das ist wieder eine schwierige Frage…Es gab ein Stück, woran ich sehr lange gesessen habe, weil ich die Harmonie nicht akzeptieren konnte. Ich habe kein absolutes Gehör und viele Sachen, wenn ich das sagen darf, muß ich eher raten.  Dieses Stück kam mir zuerst wie ein Feind vor, weil ich die schlüssigen Momente nicht verstanden habe. Aber dann, als ich die nach und nach zu verstehen begann, wuchs das Stück  zu meinem besten Freund. So ein Lied heißt „Zmierzch“ („Abenddämmerung“) und ist übrigens das Lieblingslied von Frau Maria Wasowski, die ich sehr herzlich grüßen möchte. Ich verdanke ihr sehr viel. Das Buch habe ich dank ihrer Hilfe schreiben können. Sie hatte mir alle Kopien der Manuskripte des Meisters zur Verfügung gestellt. Dadurch war meine Arbeit einfacher. Es hat  gereicht, die Stücke  in einer bestimmten jazzigen Formel zu schreiben.  Ich hoffe, dass Herr Jerzy „da oben“ mir vergibt, weil ich mir nicht aller Momente sicher bin. Wenn jemand es verbessern möchte, nehme ich das mit Freundlichkeit an. Wir alle sind  Schüler des „Starszych Panow“ Cabarets. Ob sie davon wissen, oder nicht, ob sie es wollen, oder nicht (lacht)…

maru: Die Lieder von Wasowski/ Przybora sind Standards der polnischen Musik. Das Thema ist ewig jung, trotz Vergänglichkeit.  Ihr Notenband wurde zu einer Art Kompendium und spielt eine missionarische und pädagogische Rolle. War das Ihre Absicht?

Bogdan Hołownia:  Nein..das war völliger Wahnsinn. Wenn ich damals gewusst hätte, an welcher schwierigen Sache ich mich versuche, hätte ich nicht begonnen. Mir war nicht bewusst, wie schwierig es wird und deshalb fing ich an.  Ich lerne dabei sehr viel, wenn ich die Stücke des Meisters schreibe. Wenn wir uns in die „Werkstatt“ des Herrn Wassowski vertiefen, dann öffnet sich die Pforte...vielleicht zu Chopin? Ich will nicht zu weit gehen, aber das ganze nähert sich dem Ravel zu. Den Johann Sebastian möchte ich nicht erwähnen, er ist unerreichbar  und bewegt sich auf seinen Gravitationen. Aber ich freue mich, dass wir ihn haben.

maru: Wie bewerten Sie das heutige Treffen mit dem Publikum bei dem besonderen Anlass (Tag der Unabhängigkeit Polens)?

Bogdan Hołownia: Ich bin vor allem mehrmals überrascht. Das Publikum war großartig! Als ich spielte, dann hörten sie mir aufmerksam und still zu.  Das hat mir erlaubt in meinem Lieblingsstil zu spielen- „von Geräusch zu Geräusch“. Andererseits ist die Akustik hier (Laeiszhalle)  hervorragend, der Flügel ebenso. Ich fühle mich sehr geehrt und danke für die Einladung. Das war wirklich ein Genuss.

maru: Ihre bevorstehenden Konzertpläne, Aufnahmen?

Bogdan Hołownia:  Ich fliege nach Boston.  Im Dezember/Januar muss ich die Aufnahme und Mastering  der Wasowski- Lieder machen. Es werden die amerikanische Musiker  mitwirken: Greg Hopkins auf der Trompete, Jerry Vejmola auf dem Tenorsaxophon, also meine Professoren aus Berklee (College of Music in Boston) und Bronek Suchenek - der legendäre Kontrabassspieler, der mit Stanko und Seifert oft in Polen spielte. Bronek verdanke ich sehr viel. Er mobilisiert mich immer, wenn ich viel zu oft über irgenwelchen „Papieren” hänge.  Vielleicht gelingt es uns ein Quartett aufzunehmen, aber es ist noch nicht sicher, weil ich alles, wenn ich es sagen darf, aus meiner eigenen Kraft finanziere...mal gelingt es, mal nicht...

maru: Ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch und wünsche viel Erfolg.  

„Starsi Panowie dwaj”- piosenki Jerzego Wasowskiego i Jaremiego Przybory w opracowaniu BogdanaHołowni”: http://www.sawart.com.pl
 

 

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